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Helmut Ihmig 22.01.2011
Zur Ursache der Multiplen Sklerose
Ansichten eines Betroffenen
1. Einführung
2. Der Mensch
3. Bakterien
4. Der geschlossene Raum
5. Multiple Sklerose
6. Prägung
7. Färöer
8. Schlussbetrachtung
9. Quellen
10.Kontakt
1. Einführung
Die Ursache der Multiplen Sklerose (MS) ist ein Rätsel. Es gibt viele
Erklärungsversuche, doch die allseitig befriedigende Antwort ist bisher
ausgeblieben. Ursächlich wird unter anderem ein Umgebungsfaktor vermutet.
Die auf epidemiologischen Daten beruhende Vermutung sieht zivilisatorische
Lebensumstände wie hoher Lebensstandard und hohe Hygienestufe. Es könnte
sich um einen Konflikt zwischen der individuellen Alltagskultur des
zivilisierten Menschen und der Natur handeln.
Ich möchte diese Vermutung aufgreifen und eine diesbezügliche
evolutionsbiologische Ursachenhypothese vorstellen. Eindrücke aus der
langjährigen Auseinandersetzung mit der Erkrankung haben dazu die
entscheidenden Hinweise geliefert. Dieses Projekt verbinde ich mit der
Hoffnung, der Wahrheit ein wenig näher zu kommen.
Im Kern geht es um die Aufdeckung eines in voller Tragweite bisher nicht
bekannten bakteriellen Ökosystems.
Gesagt werden muss vorab dies: Es werden evolutive Ursachen der MS
thematisiert und nicht die unmittelbaren, auch nicht Probleme des
Krankheitgeschehens oder Wege der Abhilfe. Der folgende Text ist in grobem
Raster gegliedert, ohne Anspruch auf Detail oder Vollständigkeit.
2. Der Mensch
Beginnen möchte ich mit einem kurzen Blick in die Biologie des Menschen.
Der Mensch ist ein Geschöpf der Natur. Zoologisch gesehen gehört er in die
Klasse der Säugetiere und unterscheidet sich von diesen durch das
hochentwickelte Gehirn, den aufrechten Gang, den differenzierten Gebrauch
der Hände, der Wortsprache etc.. Das säugetiertypische Fell hat der Mensch
abgelegt.
Eine Reihe körperlicher Merkmale und fossile Funde lassen auf eine
tropische Herkunft des Menschen schließen. Unter tropischen Bedingungen
ist er befähigt, ohne Kleidung, Behausung und Feuer, selbst mit einem
Minimum an Nahrung zu existieren.
Gegenüber Kälte ist der Mensch nur begrenzt geschützt. Bei sinkender
Lufttemperatur sind die physischen Toleranzgrenzen des nackten Menschen
bald erreicht.
Nun haben Intellekt und weitere Fähigkeiten des Menschen der biologischen
Evolution mit ihren "harten" Spielregeln eine "weichere" kulturelle
Evolution an die Seite gestellt. Diese verläuft um ein Vielfaches
schneller. Sie hat vorrangig die Entwicklung des Menschen bestimmt.
Am Anfang dieser Entwicklung war die Kontrolle des Feuers ein eminent
wichtiger Schritt. Er erschloss Wege der Herauslösung aus dem Tierreich,
Wege der Menschwerdung. Die Kontrolle des Feuers begründete entscheidend
die dominante Stellung des Menschen in der Natur, schuf neue Freiheiten
und verschaffte die Voraussetzung zur Migration.
Der - im entwicklungsgeschichtlichen Sinne - moderne Mensch hat im
überwiegenden Teil seiner Existenz mit dem offenen Feuer gelebt. Kleidung,
Behausung und Feuer sind im Ökosystem Mensch essentiell. Es ist daher
nicht ganz abwegig, nach Hintergrundfaktoren zumindest von Feuer und
Behausung zu fragen.
Feuer ist für den Menschen etwas zwiespältiges: Einerseits Licht, Wärme,
Waffe, Schutz, Werkzeug und vieles mehr, andererseits Rauch- und Rußquelle
und allgemein Gefahr.
Nun wird die Wärme des Feuers zu einem nicht unerheblichen Teil als
selektive Strahlung abgegeben. Diese verschafft dem Menschen ein
unbestimmtes Wohlgefühl. Mit Sicherheit haben Menschen seit geraumer Zeit
den Erholungswert der Strahlung des Feuers zu schätzen gewusst. Der Mensch
besitzt zwar, abgesehen von diffusen Wärme- und Kälterezeptoren der Haut,
kein spezielles Sinnesorgan für Wärmestrahlung. Offensichtlich hat er
dennoch ein mehr oder weniger intuitives Gefühl für Wärmestrahlung
entwickelt.
Es war schon früh menschliches Streben, trotz Gefahr das Feuer in die
Behausung zu integrieren. Erst im letzten Jahrtausend änderte sich dies in
kleinen Schritten. Es entstand durch Eingrenzung (Herd) und Ableitung der
Rauchgase (Schornstein) eine begrenzte Abkehr vom offenen Feuer. Im
Industriezeitalter setzten sich eiserne Einzelöfen und schließlich
zentrale Heizsysteme durch. Es begann die Zeit der Warmluftheizung.
Wir bemessen Wärme in Energieeinheiten (kWh) und sind davon überzeugt, mit
Erreichen einer vorgewählten Raumlufttemperatur den physiologischen Bedarf
abzudecken. Die in diesem Zusammenhang in der Vergangenheit getroffenen
Entscheidungen stammen vorwiegend aus einem Sicherheits-. Effektivitäts-
und Vermarktungskalkül. Ich möchte fragen, ob diese Entscheidungen die
natürlichen Bedürfnisse des Menschen in ausreichendem Maß berücksichtigen.
3. Bakterien
Bakterien haben sich in Milliarden von Jahren in Gewässern und im Erdboden
entwickelt und sind heute nahezu überall. Sie treten dort vermehrt auf, wo
sie optimale Lebensbedingungen finden. Dabei setzen sie - wie alles Leben
- in erster Annäherung Raum, Energie, Stabilität und Wasser voraus. Wegen
Zeit und Zahl haben Bakterien nahezu alle existierenden ökologische
Nischen besetzt. Entscheidend ist der Erfolg der Population.
Infolge geringer Größe gelangen Bakterien auch in den Luftraum. Dieser
stellt jedoch besondere Anforderungen. Nach meinem Eindruck haben
Bakterien auch hier Lösungswege gefunden.
Allgemein bekannt ist der passive Lufttransport, d.h. Bakterien gelangen
als Aerosole schwebend in die Luft, werden vom Wind getragen und können so
weitere Lebensräume erreichen. Tatsächlich finden sich Bakterien in Luft
in großer Zahl, wie gerade in jüngerer Zeit DNA-Chip-Luftproben ergeben
haben (2).
Viele Bakterienspezies zeichnen sich aus durch einen hohen Grad an
Spezialisierung. Diese Eigenschaft hat nach meiner Beobachtung eine ganz
besondere Anpassung an den Lufttransport hervorgebracht. So scheint es
Bakterien gelungen zu sein, den Luftraum stoffwechselaktiv zu erobern.
Der allgemein nicht bekannte stoffwechselaktive Lufttransport ist
Bakterien nur möglich unter äußerst stabilen Bedingungen. Diese finden
sich u.a. in windberuhigten Zonen wie Höhlen, Vertiefungen, Winkeln,
Nischen. Das Luftgefüge dieser Zonen unterscheidet sich von jenem der
freien Atmosphäre nicht unerheblich. Mit Sicherheit haben Bakterien in
diesen Zonen frei verfügbares Wasser und Nährstoffe entdeckt.
Flüssiges Wasser tritt in diesen Zonen auf als ankondensiertes Hüllwasser
der Partikelaerosole. Dieses wird als Aerosolwasser bezeichnet. Es kann
aus physikalischen Gründen in den oben genannten Zonen sich anreichern,
weil es u.a. relativ langsam abtrocknet.
In Wasser, so auch in Aerosolwasser, können gasförmige, flüssige oder
feste Stoffe in Lösung gehen. Hier sehe ich beispielsweise Spurenstoffe
menschlicher oder tierischer Atmung. Diese können nach meiner Einschätzung
in Aerosolwasser gelöst, verdichtet und bakteriellem Abbau zumindest im
Umfang einer Überlebensration zur Verfügung stehen.
Auch Bakterien leben in Ökosystemen. So haben bestimmte Bakterien die
Fähigkeit zur Assimilation der im Aerosolwasser enthaltenen
energiehaltigen Stoffe zu einem Baustein des artspezifischen Ökosystems
gemacht. Es scheint ihnen auf diese Weise gelungen zu sein, weitere
Lebensräume zu erobern. Das mit einer Wasserhülle versehene
Partikelaerosol mausert sich damit für den Keim zu einer frei verfügbaren,
vollproviantierten Fähre.
Bakterien können daher, bei entsprechenden Voraussetzungen, auch über den
Luftweg aktiv auf der Suche nach neuen Ressourcen sein. So gibt es nach
meiner Vermutung Bakterienarten, die im beschriebenen Luftzustand
Mikrobiotope und neue Angriffspotentiale entwickeln.
4. Der geschlossene Raum
Der geschlossene Raum ist entwicklungsgeschichtlich betrachtet eine
Erfindung des modernen Menschen. Die Atmosphäre des geschlossenen Raums
ist vom dynamischen Geschehen der freien Atmosphäre abgeschottet und
entwickelt sich nach eigenen Gesetzen. So können neuartige
Umgebungsfaktoren entstehen, auch solche, die am biologischen System
Mensch nicht ganz spurlos vorübergehen. Denn eingestellt hat die Natur den
Menschen auf Bedingungen der Außenatmosphäre. Im Innenraum, wie man den
geschlossenen Raum in einer erweiterten Form auch nennt, sind diese
anders.
Der atmosphärische Zustand des Innenraums kann dem der eingangs
angesprochenen windberuhigten Zone ähneln. Ich möchte daher im
Zusammenhang mit der Innenraumatmosphäre wiederum den Begriff "Luftgefüge"
verwenden. Nach meinem Eindruck kann dieses recht unterschiedlich
ausfallen.
Was ist nun das Besondere am Luftgefüge des Innenraums? Ich will
versuchen, diese Frage zu beantworten:
Mir fällt als erstes die außerordentlich hohe Stabilität der
Innenraumatmosphäre auf. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Da ist
zunächst die Begrenzung in allen Raumachsen und da ist die Folge der
vertikalen Temperaturschichtung. Letztere weist z.B. am Fußboden eine
Temperatur von 18°C aus, in mittlerer Raumhöhe schon 20°C und dicht unter
der Decke 22°C und mehr. Es handelt sich um einen mit der Raumhöhe
ansteigenden Temperaturgradienten. Meteorologen würden diese
Temperaturschichtung unteradiabatisch nennen. Bekanntermaßen führt diese
zu einer hohen Luftstabilität.
Vergleichbare vertikale Temperaturschichtungen können sich auch in der
Außenatmosphäre einstellen (Inversion, Föhn). Die Folgen sind bekannt.
Betrachten möchte ich die Grenzschicht eines beliebigen, frei schwebenden
Partikelaerosols in der stabilen Atmosphäre des Innenraums.
Da dem Innenraum die natürliche Dynamik der freien Atmosphäre fehlt, wird
dem Partikelaerosol eine relativ dicke Grenzschicht anliegen. Das
Partikelaerosol kann daraufhin ein geändertes thermisches Verhalten
annehmen und sich damit von der umgebenden Luft unterscheiden. Innerhalb
der Grenzschicht tritt beispielsweise der Energietransportweg Konvektion
zurück, jene der Wärmeleitung und der latenten Wärme werden möglicherweise
gemindert. Lediglich der Transportweg Strahlung bleibt unverändert offen.
Im Ergebnis führt dies zu einer angedeuteten thermischen Isolation des
Partikels.
Bei der Betrachtung des Energieaustauschs am Partikelaerosol ist zu
berücksichtigen, dass sehr dünne Wasserschichten die selektiven
Strahlungseigenschaften von Wasserdampf annehmen. Eine Wasserschicht in
einer Größenordnung wie hier angesprochen, absorbiert und emittiert
Strahlung wie das Gas Wasserdampf. Diese Eigenschaft berührt mehrere
Energietransportwege. Ferner ist zu berücksichtigen, dass die
energiereichen Strahlungsbanden des Wasserdampfs im nahen Infrarot liegen
(etwa 2 µm).
In diese Betrachtung ist der Wassereintrag in den Innenraum einzubeziehen.
Hier steht im Vordergrund die von den Bewohnern ausgeatmete Luft mit etwa
6% Wasserdampfanteil. Dieser kondensiert als Flüssigwasser auf kälteren
Oberflächen, auch auf jener benetzter Partikelaerosole. Das einzelne
Partikel gewinnt bei der Kondensation Energie.
Nun muss dem bewohnten Innenraum hierzulande abhängig von der Jahreszeit
Wärmeenergie zugeführt werden. Im Sommer macht dies die Sonne, im Winter
die Heizung. Beides kann zu Verwicklungen führen.
Die Warmluft-Heizung verteilt die Wärme überwiegend durch Konvektion. In
diesem Vorgang wird neben der Wärmeverteilung in vielen kleinen Schritten
Aerosolwasser umverteilt und zwar in Richtung kälterer Zonen. Ein
Volumenausgleich erfolgt über die Zeit ausgesprochen langsam. Die
Reichweite der wirksamen selektiven Strahlung von Wasserdampf unter
Innenraumbedingungen ist gering und liegt nach meiner Einschätzung im
cm-Bereich.
Wie bereits gesagt, wird bei der Kondensation Wärmeenergie frei
(Kondensationswärme). Folgend können chemische Umsetzungen, auch die
vermuteten biologischen Aktivitäten schneller ablaufen.
Im Weiteren möchte ich die Strahlungsverteilung im Innenraum kurz
ansprechen, speziell jene selektive Strahlung des Wasserdampfs. Dessen
geringe wirksame Reichweite wurde schon erwähnt. Die Strahlungsströme
stellen ein Gleichgewicht her von Quellen und Senken. Im Ergebnis kann
dies im Innenraum zu einer recht unterschiedlichen Strahlungsverteilung
führen.
In dieser Hinsicht sind moderne Heizsysteme nicht immer von ganz
vorteilhafter Qualität. Jenes hier andiskutierte Strahlungsspektrum wird
in der Regel kaum abgedeckt. Im negativen Sinne fallen
Niedrigtemperaturheizungen auf. Auch das Glühlampenverbot trägt zum Abbau
dieser Strahlung bei.
Ich möchte ein Beispiel schildern: Das Strahlungsspektrum einer reinen
Fußbodenheizung liegt, grob betrachtet, ausgerechnet im Bereich des
atmosphärischen Fensters (etwa 10µm - 12,5µm), in welchem atmosphärische
Gase einschließlich Wasserdampf nicht absorbieren bzw. emittieren. Dies
hat vermutlich zur Konsequenz, dass Aerosolwasser in Räumen mit
Fußbodenheizung deutlich langsamer abtrocknet.
Es wurde erwähnt, dass schon vor der Industrialisierung das
Strahlungskonzept der Heizung mit Zwangsaustausch der Innenraumluft immer
mehr ersetzt wurde durch ein Warmluftkonzept (ohne Luftaustausch). Dies
hat nach meiner Einschätzung im Innenraum zu einer beginnenden allgemeinen
Anreicherung an Aerosolwasser geführt.
Man sollte nun erwarten, dass vieles von der Beheizung über die Zeit
ausgeglichen wird. Dies ist jedoch nicht immer der Fall, wobei auch
Nutzungsgewohnheiten der Bewohner von Einfluss sind. So hat diese
Entwicklung - so wie ich es sehe - zu einem Konflikt geführt, den der
zivilisierte Mensch auszutragen hat und dies nicht nur bezogen auf die
Multiple Sklerose.
Die aufgrund der beschriebenen Innenraumbedingungen ermöglichte
mikrobielle Aktivität im ankondensierten Partikelaerosol kann nach meinen
Beobachtungen in nicht ganz seltenen Fällen in die vegetative Regulation
des Menschen eingreifen und z.B. als Blutdruckerhöhung, als
Immunaktivierung, als Stressfaktor und weiteres sich bemerkbar machen.
5. Multiple Sklerose
Hier möchte ich einen Auszug aus einem Artikel des Mitteilungsblatts der
Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft von Ende der achtziger Jahre
voran schicken: "Zigeuner sind nur dann von der Multiplen Sklerose
befallen, wenn sie das Nomadenleben aufgeben und sesshaft werden." Ich
denke, dieser Satz mag als Interpretation von Ergebnissen
epidemiologischer Studien richtig sein. Denke aber auch, dass dieser Satz
mehr aussagen kann, trifft er nach meiner Einschätzung doch den Kern des
Geschehens. Ich würde deshalb verallgemeinernd die Bezeichnung "Zigeuner"
durch "Menschen" ersetzen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Zurück zur Evolution des Menschen: Mit der Sesshaftigkeit löste sich der
Mensch von Zwängen der biologischen Evolution. Geschaffen wurde im Rahmen
dieser Herausforderung der geschlossene Raum. Der nächste und letztlich
entscheidende Schritt zum breiten Ausbruch der Erkrankung Multiple
Sklerose ereignete sich allerdings erst im Zeitalter der
Industrialisierung mit der erweiterten Infrastruktur, neuen Techniken, der
Kommerzialisierung und schließlich neuem Druck vonseiten der
Energieverknappung. Den sich daraus ergebenden Änderungen der
Lebensbedingungen folgten Änderungen menschlichen Verhaltens.
Die von mir vor vielen Jahren als Buch veröffentlichte
MS-Ursachenhypothese (2), die sich gleichermaßen entscheidend auf
Beobachtungsdaten stützte, verstand den Erkrankungsschub der MS als Folge
einer spezifischen Immunantwort auf exogene Stoffwechselprodukte
eiweissabbauender Bakterien. Als Schlüsselsubstanz sah ich ein nicht näher
bezeichnetes Molekülfragment bakteriell synthetisierter Exoenzyme oder
Exotoxine, welches befähigt sein soll, MHC-Adressen zu demaskieren. Als
Molekülmodell diente das Coenzym einer bakteriellen Protease. Die
schubauslösende Substanz sollte über die Ernährung in den menschlichen
Körper gelangen und befähigt sein, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden.
Heute möchte ich diese Vermutung dahingehend erweitern, dass es sich um
ein von Bakterien speziell zu diesem Zweck synthetisiertes Molekül handeln
kann.
Die Beobachtungsdaten lassen vermuten, dass bei hinreichend hoher
Keimdichte in der Raumluft, vorrangig kann dies in Schlafräumen eintreten,
eine immunologische Sensibilisierung in der Art einer stillen Feiung
stattfindet. Wesentlich ist hierbei möglicherweise die Langzeiteinwirkung
des bakteriellen Faktors. Demgegenüber handelt es sich bei den nach der
Sensibilisierung einsetzenden Erkrankungsschüben um das Ergebnis einer
Kurzzeiteinwirkung. Das Repertoire der Schubauslösebedingungen ist daher
umfassender abzustecken, worauf ich noch eingehen werde. Ein Unterschied
zwischen Sensibilisierung und Schub liegt also vermutlich in der Dauer
Einwirkungszeit des bakteriellen Faktors.
Ich verdächtige hier insbesondere einen bakteriellen Keim, der ubiquitär
und mit konventionellen Luftproben in Wohnräumen häufig nachzuweisen ist:
Staphylococcus aureus. Betreffs einer anderen Erkrankung gibt es ferner
Hinweise auf eine viruelle Verwicklung, möglicherweise über Phagen. Darauf
möchte ich hier nicht eingehen.
Allgemein ist das Immunsystem befähigt, nahezu alle innerhalb der
körperlichen Grenzen auftretenden Fremdstoffe zu eliminieren. Warum es
dennoch zur Entgleisung Multiple Sklerose kommen kann, mag folgende Gründe
haben: Tatsächlich ist der Keim vom Immunsystem nicht zu eliminieren, da
die Keimquelle außerhalb der körperlichen Grenzen liegt. So wird
möglicherweise das Immunsystem infolge erfolgloser Abwehr den
Sensibilisierungsprozess irregulär interpretieren.
Als Folge sehe ich eine schrittweise Verstärkung der Immunantwort, wie
dies bei der MS häufig zu beobachten ist. Derartige Verwicklungen können
nach meinem Verständnis das Bild einer Autoimmunerkrankung hervorrufen.
Daneben kann dieser Prozess das vegetative Nervensystem tangieren. So habe
ich vegetative Umsteuerungen beobachten können, dahingehend, dass der
beschriebene bakterielle Faktor als Eingangsgröße bleibend in die
vegetative Regulation eingreift und z.B. die immunologische Reaktivität
ändert.
Vermutlich wird der Gesamtprozess von einem partiellen Untergang des
Flimmerepithels der Atmungswege begleitet.
Es ist bekannt, dass ein nicht unerheblicher Bevölkerungsanteil unbemerkt
und ohne pathogene Folgen als bakterieller Keimträger erscheint (z.B. im
Nasenvorhof). Vermutlich ist auch der MS-Betroffene selbst häufig
Keimträger. Eine Keimbesiedlung des Nasenvorhofs kann Vorstufe einer
Kolonisierung der oberen Atmungswege sein. Diese kann sich z.B. in Form
einer Neigung zu Erkältungserkrankungen äußern. Letztere finden sich
häufig bei MS-Betroffenen.
Eine bakterielle Ansiedlung in der Innenraumatmosphäre ist nach meinem
Eindruck nicht selten. Sie kann insbesondere dann einsetzen, wenn der
häufig von vielen Personen genutzte Innenraum nur unregelmäßig oder
unzureichend belüftet wird.
Die Erfahrung lehrt, dass MS-Schübe wie ein Blitz aus heiterem Himmel
kommen. Die Schubgefahr ist also permanent. Man sieht die Gefahr nicht,
man riecht sie nicht, man fühlt sie nicht. Nur das fortlaufende Abchecken
der Umgebung kann erste kleine Hinweise liefern.
Ein Beispiel möchte ich wiedergeben. Dieses ist zwar nicht typisch, aber
dennoch charakteristisch: Im späten Frühjahr kann in einem häufig
frequentierten, andererseits nur unregelmäßig belüfteten Innenraum
folgender Klimazustand eintreten:
Bei ungestörtem Sonneneinfall kann bei geschlossenen Fenstern die
Raumtemperatur auf deutlich erhöhte Werte ansteigen. Dies wird nicht immer
als angenehm empfunden. Manchmal spricht man von Hitzestau oder
Barackenklima. Nach meiner Erfahrung scheint dieser Luftzustand optimale
Voraussetzungen für eine gesteigerte mikrobielle Aktivität zu bringen, mit
den für MS-Betroffene bösen Folgen.
Ich gehe davon aus, dass in diesem raumklimatischen Zustand neben der
Temperaturerhöhung ein Anstieg des Aerosolwassergehalts in Atmungshöhe
nachzuweisen sein wird. Über den physikalischen Hintergrund möchte ich
hier nicht referieren.
Ich habe diesen nicht alltäglichen raumklimatischen Zustand deshalb so
detailliert beschrieben, um die breite Streuung der Gefahr zu
demonstrieren. Leider kann es im Innenraum viele Konstellationen dieser
Art geben.
Die in den zurückliegenden Jahren aufgelaufenen Erfahrungsdaten
ermöglichten die weitgehende Rücknahme der in meinem Buch aufgelisteten
diffizilen Ernährungsvorschläge. Aktuell empfohlen wird eine naturnahe
Ernährung und - dies ist wichtig - den sicheren Ausschluss sogenannter
Gammelware.
Die Multiple Sklerose ist für mich immer noch eine Frage der Ernährung,
aber weitaus mehr eine Frage der Innenräume, die ich betrete, in denen ich
mich bewege, in denen ich mich aufhalte. Dies betrifft aus vorgenannten
Gründen gleichermaßen Menschen, die mit mir gemeinschaftlich diese Räume
nutzen. Klimatisierte und öffentliche Räume (Veranstaltungräume) sind ein
Sonderfall.
Eine letzte evolutionäre Betrachtung: Ich möchte nicht ausschließen, das
die Anwendung des Feuers im menschlichen Genom Spuren hinterlassen hat. Es
dürfte auch nicht uninteressant sein, dass ein wie auch immer gestaltetes
offenes Feuer im Innenraum die Multiple Sklerose vermutlich nicht
entstehen lässt.
6. Prägung
Das Risiko, an einer MS zu erkranken, ist vom Aufenthaltsort in der Jugend
abhängig. Dafür sprechen eine Vielzahl epidemiologischer Befunde.
In der Jugendphase des menschlichen Organismus kommt es zu vegetativen
Grundeinstellungen, die man als Prägung bezeichnen kann (z.B. Blutdruck,
Immunaktivität etc.). Diese werden abgewickelt u.a. von Größe und Qualität
regelmäßig auftretender exogener Faktoren. Ich gehe davon aus, dass hieran
auch Volumen und Inhaltsstoffe von Aerosolwasser beteiligt sind. Dies
würde die oben genannten Befunde verständlicher machen.
7. Färöer
Auf einen der vielen epidemiologischen Befunde der MS-Forschung möchte ich
abschließend eingehen, da dieser möglicherweise weiteres Licht in das
Dunkle bringen kann. Es ist der von Kurzke und anderen erstellte Befund
der Färöer Inseln, der mir leider nur aus der Sekundärliteratur bekannt
ist (3).
Da ich selbst noch nicht auf den Färöer war, habe ich einen nicht mehr
ganz aktuellen Reiseführer aus dem Buchverlag Dumont zur Hilfe genommen
(4). Insofern mag manches von dem Folgenden nicht mehr ganz zeitgemäß oder
zutreffend sein. Doch der vorgetragene Denkansatz ist plausibel und
theoretisch möglich.
Die Färöer im Nordatlantik, etwa in der Mitte zwischen Norwegen,
Schottland und Island gelegen, bestehen aus 18 Inseln. Die
Bevölkerungszahl liegt bei rund 48.000. Die Färöer sind politisch Dänemark
angegliedert. Die Verwaltung ist weitgehend autonom. Die Färöer sind der
Europäischen Union nicht beigetreten.
Das Klima ist maritim. Die Wassertemperatur, vorrangig die Lufttemperatur
bestimmend, liegt im Sommer im Mittel bei etwa 11°C. Kennzeichnende
Merkmale des Wetters sind häufiger Niederschlag, Nebel, Wind.
Im April 1940 landeten, als Reaktion auf die deutsche Besetzung Dänemarks,
britische Truppen auf den Färöer. In der Spitze waren vermutlich weniger
als 1700 Soldaten beteiligt. Die Zivilverwaltung blieb bei den Färöern.
Alles übrige hielt England, einschließlich der Geld- und Kreditversorgung.
Die Besetzung dauerte bis September 1945.
Bis Juli 1943 war nicht ein einziger MS-Fall auf den Färöer bekannt. In
den folgenden 7 Jahren waren es 16 und in den weiteren 24 Jahren nochmals
16.
Die absoluten MS-Zahlen der Färöer sind relativ niedrig, entsprechend die
MS-Prävalenzraten. Hier setzt die verschiedentlich vorgetragene Kritik an
den Befunden an. Ich denke jedoch, dass diese Befunde einen nicht zu
vernachlässigenden Hinweis über das Kerngeschehen der MS enthalten können.
Auffällig werden die Befunde der Färöer durch Vergleich mit der weltweit
höchsten jemals ermittelten MS-Prävalenzrate der vor Schottland gelegenen
Orkney Inseln.
Großbritannien ist, wie eine Reihe weiterer Länder Nordeuropas, im
Hinblick auf die MS ein Hoch-Risiko-Land. Kurzke und andere haben die
Befunde der Färöer mangels anderer Ereignisse, die einen Zusammenhang mit
dem Ausbruch der Erkrankung hätten bilden können, vermutet, dass die MS
von britischen Besatzungstruppen eingeschleppt wurde.
Vermutlich war die militärische Besetzung in ihrer Grundtönung
"freundlich". So wurde kein zentrales Militärlager eingerichtet. Die
Soldaten nahmen in vereinzelten Ortschaften in den Häusern der Färinger -
so nennt man die Bewohner der Färöer Inseln - Quartier. Wie dies
allerdings im Einzelnen vonstatten ging, entzieht sich meiner Kenntnis.
Die MS trat nur bei solchen Inselbewohnern auf, die im Umfeld britischer
Quartiere lebten. Insofern gab es neben der zeitlichen auch eine räumliche
Verknüpfung. Kurzke interpretierte dieses Phänomen mit einem infektiösem
Agens und vermutete symptomlose Träger unter den Soldaten. Dieser Ansatz
würde für eine übertragbare Infektion sprechen.
Meine Vermutung ist hingegen, dass dieses Phänomen in Verbindung steht mit
der Kultur der Färinger. Diese ist betont traditionell ausgerichtet. Als
Einflussgröße sehe ich insbesondere deren Subsistenzwirtschaft.
Dies ist zu erklären: Subsistenzwirtschaft ist eine in Bezug auf
Nahrungsbeschaffung entwickelte Selbstversorgungswirtschaft.
Ausschlaggebend für diese Wirtschaftsweise waren wiederholt aufgetretene
Schwankungen der einseitig ausgerichteten Nationalökonomie der Färöer
(primär Fischerei und Fischzucht, in geringerem Maße Schafhaltung).
Diese Wirtschaftsweise hat u.a. den Hausbau der Färinger gestaltend
beeinflusst. Die untere Etage der vergleichsweise kleinen Häuser, oft in
den Hang gebaut und deshalb halb Keller, halb ebenerdig, dienen der
Lagerung von Arbeitsgerät und der Arbeit, die obere dem Wohnen.
Ich vermute nun, dass in der Zeit vor 1940 jenes verdächtigte Bakterium in
den so gestalteten Häusern sich nicht hat halten können. Die
Einquartierung der Soldaten in diese Häuser hat möglicherweise etwas
entscheidendes daran geändert. Von weitergehenden Spekulationen möchte ich
mangels konkreter Daten absehen.
Nur eines möchte ich anmerken: Auch wenn die Entstehung der MS auf den
Färöer wahrscheinlich mit der militärischen Besetzung der Inselgruppe in
Verbindung steht, muss die MS keine Infektionskrankheit im herkömmlichen
Sinne sein.
8. Schlussbemerkungen
Ich sehe auf dem Feld der allgemeinen Hygiene ein bisher nicht
aufgedecktes Gefahrenmoment, welches für die Multiple Sklerose und
möglicherweise für weitere Erkrankungen des Menschen verantwortlich ist.
Das vorgelegte Ursachenkonzept ist eine wesentliche Ergänzung der von mir
im Jahr 1981 in Buchform veröffentlichten MS-Ursachenhypothese.
Zur Abklärung der nun erweiterten Hypothese bedarf es umfassender
Untersuchungen, die von mir in meiner Situation nicht zu veranlassen sind.
Vorstellbar ist, dass eine Neubewertung mancher Befunde der
epidemiologischen MS-Forschung aufschlussreich sein könnte.
Denkbar ist ferner, dass die beschriebene bakterielle Eigenschaft in der
MRSA-Diskussion von Interesse sein kann.
Zusammenfassend verstehe ich die Multiple Sklerose als Teilergebnis eines
äußerst differenzierten bakteriellen Angriffs auf den Menschen. Die
Verwicklung habe ich in einem Augenblick des Erschrecken
"Coccus-Connection" genannt. Mit dieser vielleicht etwas überzogenen
Wortschöpfung möchte ich eine Frage in die MS-Ursachendiskussion
einbringen, die vermutlich gleichermaßen neu wie bitter ist: Ist die MS
eine Frage der allgemeinen Wohnhygiene?
9. Quellen
Ich habe diese Hypothese im Ausland verfasst, ohne Zugriff auf
verbindliches Lesematerial. Eine solide Literaturrecherche wäre in meiner
Situation ohnehin kaum möglich. Insofern ist die folgende Quellenangabe
ausgesprochen mager und unpräzise. Andererseits habe ich kaum mehr als
allgemeines Wissen der Biologie und Meteorologie verarbeitet.
(1) Gary Anderson
Hinweis in Spiegel-Online 2010
(2) Helmut Ihmig: Aus anderer Sicht
Ein Weg zur Ursache und Behandlung der Multiplen Sklerose
Hamburger Service Verlag
ISBN 3-923162-00-6
Erscheinungsjahr 1981
(3) Kurzke und andere
Färöer
(4) Sabine Gorsemann, Christian Kaiser
Färöer
Dumont Buchverlag
ISBN 3-7701-4371-X
Erscheinungsjahr 1999
10. Kontakt
E-Mail-Anfragen bitte nur in wichtigen Fällen unter:
hypothese.ihmig@googlemail.com
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